er ist schön.

Ich steh an der Theke im Café Comet. Ich bin reingekommen, um eine offene Rechnung zu bezahlen. Like literally. Eine Kaffeerechnung.

Mein Blick geht in den Raum.

„Er ist bestimmt nicht da.“
Wir haben uns vor ein paar Wochen hier kennengelernt.

Haha.

Ich liebe das Leben. Er steht an einem kleinen Tisch und zieht seine Jacke an.

Mir wird leicht schlecht. Mein Herz ist in unserer Begegnung weit aufgegangen.
Das tut es schnell.

Mein Herz ist großartig. Wenn es sich wohl fühlt, dann geht es sperrangelweit auf. Ich dachte lange das muss weg. In der Realität, in der ich durch meine Wunde eingecheckt war, hat meine Liebe nie gereicht. Ich habe mir also die Aufgabe angezogen, für die Liebe zu kämpfen um mir zu beweisen, dass sie reicht.

Er hat mir vor einer Woche ne Message geschrieben: Wir sind zu verschieden für eine romantische Beziehung. Waren seine Worte.

Die Geschichte hat mehrere Ebenen. Wir könnten jetzt über die Tatsache sprechen, das somit keine Form der Beziehung in Frage kam, aber das ist ein anderes Thema. Oder ist es das?

In der Session mit C. vorhin, hab ich das Schwert in mir niedergelegt. Es ist spürbar, wenn sich eine Schicht nachhaltig ablöst. Es ist wie nochmal durch ein Nadelöhr gehen. Ich mag nichts mehr fixen. Ich mag lieben ohne zu reparieren.

Um rauszugehen, muss er an mir vorbei. Das Timing kann sich niemand ausdenken. Ich kann spüren, dass mich diese Begegnung jetzt befreien kann. Sie ist ein Geschenk. Eine Möglichkeit.

An meinem Herzen war nie etwas falsch. Die Menschen um mich herum sind mir in meiner Liebe nicht begegnet, als ich es gebraucht habe. So gab es keine Blaupause in mir, wie ich mit mir selbst umgehen kann. Still hab ich es immer von den anderen erwartet. Ich habe aus dieser Wunde heraus, viele Missverständnisse über mich und über die Liebe gelernt.

Heute bin ich da. Ich spüre, dass ich nichts von ihm brauche. Ich tu’s für mich und für die Liebe.
Ich bin bereit für den Moment, der sich jetzt auftut. Ich entscheide mich, mich in allem zu empfangen. Was auch immer das bedeutet. Ich sag innerlich Ja.

Vorhin in der Session, hab ich zu C. gesagt: Ich werde es immer wieder wagen. Diese Erfahrungen sind der Weg, auf dem ich mich befreie. Es geht nur so. Ich muss es tun.

Es geht um viel mehr als die romantische Liebe.
Ich mag die Menschen in mein Herz lassen.
Einen Ort, den ich lange versperrt habe.
Die Liebe reicht längst. Tausenfach.

Ich hab in der Hand, wie nah ich diese Wahrheit in mein Leben lasse. Et voilà das Leben hat zugehört und nicht lange gezögert.

Ich stehe mit dem Rücken zum Gang und schaue mir die Flyer an der Bar an, um mir einen Moment zu verschaffen.
Eine Träne rollt mir die Wange runter. Ich freu mich, ihn zu sehen. Ich hab ihn richtig gern. Hingehen mag ich nicht. Rausgehen auch nicht. Ich bleib da stehen, wo ich bin. Mein Herz klopf wie wild.

Als V. wortlos an mir vorbeigeht, fällt es mir vor Schreck runter. Kurz bevor es aufkommt, fange ich es.
Das hab ich nicht erwartet. Ich war mir sicher, dass er Hallo sagt.

Ich atme nochmal tief. Es tut weh in mir. Er steht jetzt draußen. Ich geb mir einen Augenblick und spür kurz rein. Das Portal ist noch offen. Da wartet noch was. Ich schau nach. Er steht immer noch da, als würde er auf etwas warten.
Ich gehe raus. Mein ganzer Körper zittert.
Wir umarmen uns. Kurz.
Er tut überrascht und fragt, ob wir ein paar Minuten um den Block spazieren wollen.
Ich sag Ja. In mir ist die Möglichkeit offen, jederzeit umzudrehen. Ich hab mich gut.
Wir sind beide aufgeregt.

Er sagt, dass es ihm leid tut & dass er erleichtert ist, dass es jetzt nicht weird zwischen uns ist. Mir wird wieder schlecht. Ich sag nichts dazu. Es nervt mich, dass er das so sagt.
Ich warte ein paar Momente und gebe meiner Wunde Raum, während wir die Straße hinunter laufen. Sie wünscht sich, Ausdruck zu finden. So dringend. Ich sag in mich hinein, dass ich es jetzt übernehmen kann. Ich kann spüren, dass ich es kann.

Ich heb meinen Blick und schaue V. an: “Du hast nicht Hallo gesagt im Café. Das war nicht schön.” sag ich. Es fordert ihn. Das macht nix. Er sagt nichts. Es ist spürbar, dass er es reinlässt.
Ich bin froh. Im gemeinsamen Schweigen begegnen wir uns zum erstem Mal wirklich. Es ist kein Drama in mir. Ich bin ganz weich. Tonnenweise Druck fließt ab.
In mir fließt es weiter. Unaufgeregt.

Wir schaffen es so oft nicht, aufeinander zuzugehen, weil die Missverständnisse über die Liebe in uns so verdreht sind. Dieser Moment ist eine Revolution für mich.

Ich atme nochmal tief aus. Ich bin froh, dass ich mich getraut habe.

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Menschen haben Herzen.